Berichte

04.08.2021

Interview mit Leonie Antonia Beck

Leonie Beck erkämpfte sich beim 10 Kilometer Rennen bei den Olympischen Spielen im Freiwasserschwimmen den 5. Platz. Ich habe heute morgen ein Interview mit ihr geführt und ihr ein paar Fragen zu ihrem Rennen gestellt.

Nur 2,6 Sekunden trennte Leonie von einer Medaille bei den Olympischen Spielen. Die gebürtige Augsburgerin zeigt sich deshalb aber nicht enttäuscht. Ganz im Gegenteil. Leonie ist sehr zufrieden mit ihren Leistungen und hat das Rennen sehr genossen. 

Leonie war von Beginn an vorne und hat das Feld sogar immer wieder mit angeführt. Da sich das Rennen sehr gut angefühlt hat und Leonie noch relativ viel Kraft hatte, versuchte sie nach der sechsten Runde anzuziehen, um sich von ihren Konkurrentinnen abzusetzen. Gegen Ende hin verließ Leonie dann doch etwas die Kraft, sodass sie die Medaillengewinnerinnen Ana Marcela Cunha (Brasilien), Sharon van Rouwendaal (Niederlande) und Kareena Lee (Australien) vorbeiziehen lassen musste. Es war ein sehr spannendes Rennen, das die Zuschauer bis zum Anschlag zittern ließ.

 

Leonie Beck und Alexander Beck (DSV-Mannschaftsarzt)

Interview mit Leonie Antonia Beck nach ihrem 10 Kilometer Rennen bei den Olympischen Spielen

Heute Früh hatte Leonie Beck ein paar Minuten Zeit, um ein Online-Interview mit mir führen zu können. Ich habe ihr ein paar Fragen zu ihrem Rennen und zu den dortigen Bedingungen gestellt. Im Folgenden könnt ihr das Interview nachlesen.

 

Wie hat sich das Rennen angefühlt Leonie?

Das Rennen hat tatsächlich großen Spaß gemacht. Ich konnte mit der Russin in der ersten Runde schon die Führung übernehmen und habe dann versucht vorne zu bleiben. Das hat ganz gut geklappt und ich dachte mir dann von Runde zu Runde "was für ein cooles Rennen" und habe gehofft, dass es in den nächsten Runden so weiter geht. Ich habe dann versucht nach der sechsten Runde anzuziehen. Vielleicht war es ein bisschen zu früh, weil ich am Ende keine Kraft mehr hatte. Ansonsten bin ich aber sehr zufrieden.

 

Wie würdest du die letzten 500m beschreiben? Es wurde ja nochmal relativ spannend gegen Ende hin.

Also die letzte Runde und vor allem die letzte Gerade war schon sehr hart. Da habe ich dann auch gar nichts mehr gesehen und nicht mehr viel mitbekommen, weil ich sehr kaputt war. Es war schon wirklich sehr anstrengend. Ich habe aber versucht weiter zu kämpfen und nicht aufzugeben - rauszuholen, was geht, was der Körper noch hergibt. Dann am Ende wurde es sogar nochmal sehr knapp, aber ich denke Platz 3 wäre nicht drin gewesen.

 

Wie waren die Bedingungen im Odaiba Marine Park? Wie kamst du mit den Bedingungen dort zurecht?

Bei einer Wassertemperatur von über 31° hätte das Rennen nicht stattfinden dürfen. Aber das Wasser hatte zum Glück nur 29,3°. Das war vollkommen ok. Es war nicht heiß, sondern relativ angenehm. Ich habe also nicht darunter gelitten.

 

Wie lief die Vorbereitung für Tokio zu Zeiten von Corona?

Corona hat uns schon sehr eingeschränkt. Wir hatten auch den Lockdown und ich denke mal es war für alle Sportler sehr schwierig. Fünf Jahre auf den Höhepunkt zu warten, und für mich persönlich das Ganze auf zwei Stunden zu reduzieren. Vor allem weil anfangs nicht fest stand, ob die Olympischen Spiele überhaupt stattfinden würden. Es war für alle eine schwere Phase, nicht nur für die Sportler. Aber es betrifft ja die ganze Welt, deshalb geht es ja nicht nur uns so.

 

Im Jahr 2016 warst du ja auch schon bei den Olympischen Spielen. Was ist denn rückblickend der größte Unterschied vor allem durch die Corona-Pandemie?

Rio war nicht so erfolgreich für mich. Da bin ich leider weit von meiner Bestzeit entfernt geschwommen. Ich habe also nicht wirklich gute Erinnerungen daran. Aber es ist ja eine komplett andere Sportart. 2016 bin ich bei den Olympischen Spielen im Beckenschwimmen gestartet. Dieses Jahr dagegen im Freiwasserschwimmen. Ich bin sehr froh, dass das Rennen so gut verlaufen ist und, dass ich zufrieden bin. Jetzt habe ich gute Erinnerungen an die Olympischen Spiele.

Die Olympischen Spiele in diesem Jahr sind ganz anders durch die vielen Coronamaßnahmen. Eigentlich bekommt man davon aber gar nicht so viel mit, außer das Tragen der Maske. Man kann sich im ganzen Dorf frei bewegen, man darf dieses aber nicht verlassen. Das Dorf ist allerdings riesengroß - wenn man sich bewegen möchte, kann man das auf jeden Fall machen. Es gibt hier alles was man braucht.

 

Wie geht es denn jetzt nach den Olympischen Spielen weiter? 

Also morgen findet erstmal das Rennen der Männer statt. Da versuche ich, die Sportler so gut es geht zu unterstützen und feuer natürlich kräftig mit an. Dann komme ich erstmal heim und lases alles sacken. Anschließend setzt man sich in Ruhe zusammen und macht einen Plan, wie es weitergeht. Jetzt aber heißt es ausruhen und Pause machen.

 

Ergebnisse: 10 Kilometer Rennen der Frauen

 

Vielen Dank Leonie für das tolle und sehr angenehme Interview. Du bist eine wirklich tolle und super sympathische Sportlerin und zudem ein großes Vorbild für unseren Nachwuchs! Abschließend noch einmal herzlichen Glückwunsch zu deiner herausragenden Leistung bei den Olympischen Spielen!

Dominique Freisleben